The Fear of 13 ★★★★

Ein zum Tode verurteilter Mann erzählt seine Geschichte, und bevor wir überhaupt erfahren, weswegen er verurteilt wurde, zieht er uns damit in seinen Bann. Er ist ein außergewöhnlich guter Erzähler. Man erfährt auch, weswegen er sich so perfekt ausdrücken kann, denn er hat während seiner langen Haft ein ganz spezielles Verhältnis zu Büchern entwickelt. Der Kniff, erst einmal ihn als Mensch in den Mittelpunkt zu stellen, anstelle des Verbrechens, lässt es zu, sich auf einer persönlicheren Ebene auf ihn einzulassen. Als er dann dazu übergeht, von dem zu erzählen, was zu seiner Verhaftung führte, habe ich mich kurz erschrocken, dass ich hier womöglich einem Mörder oder Vergewaltiger so fasziniert zuhöre. Man hat bestimmte Vorurteile im Kopf, die nicht zu dem passen wollen, was man hier präsentiert bekommt. Noch dazu mit völlig reduzierten Mitteln - ein Monolog in Filmlänge, der weder durch Fragen noch weitere Ergänzungen unterbrochen wird. Eine kurze Einblendung zu Beginn, dass alles durch neutrale Quellen bestätigt wurde, muss reichen. Die Stilmittel, die verwendet werden, um seine Geschichte noch lebhafter wirken zu lassen (Effekte, Musik) hätte es wahrscheinlich gar nicht gebraucht. Dabei sollte man natürlich trotzdem kritisch bleiben. Wir hören das alles aus einer einzelnen Perspektive, und auch wenn die Details überprüft wurden, sollte klar sein, dass man sich selber eher nicht in einem schlechten Licht darstellen möchte.

THE FEAR OF 13 ist meiner Meinung nach trotz (oder gerade wegen) des Fokus auf eine einzelne Person eine sehr wichtige Dokumentation, gerade weil man sich jemandem auf Augenhöhe nähern kann, bei dem das normalerweise schwer fallen sollte. Durch die lebhaften Erzählungen lassen sich Gefühle nachempfinden, die den meisten von uns völlig fremd sein dürften. Danach noch die Todesstrafe zu verteidigen sollte eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit sein (aber ich weiß, dass es das leider nicht ist).