The Jungle Book ★★½

Als ich gehört habe, dass Jon Favreau meinen Lieblings-Disneyklassiker "Der König der Löwen" anvertraut bekommen hat, war für mich klar, dass ich seine Dschungelbuch-Neuverfilmung nachholen wollte, um abschätzen zu können, was mich erwarten würde. Netflix sei Dank ist das nun endlich möglich gewesen. Und die Erfahrung war ernüchternd...

Dass die Story in einigen entscheidenden Punkten abgeändert wurde, hat mich nicht gestört. Das Original gehörte ehrlich gesagt nie zu meinen großen Disneyfavoriten, und schon damals wirkte die Handlung ein wenig so, als hätte man einfach nur eine Begegnung mit einer exotischen Tierart an die nächste gereiht. So gesehen gefiel mir der neue Film sogar ganz gut, weil Shir Khans Rolle etwas mehr Substanz zu haben scheint. Auch wenn er dabei stellenweise arg an Scar erinnert.

Gerade in diesen Szenen fällt aber im direkten Vergleich auf, dass ihm etwas Wichtiges fehlt: Der einzigartige Charakter, der sowohl den alten Shir Khan als auch Scar als Bösewicht ausgezeichnet hat. Disneyfilme haben viele ikonische Gegenspieler für ihre Helden hervorgebracht, aber hier ist davon nicht viel zu spüren. Sehr schade, denn andere Tiere wie etwa Balu oder Kaa fand ich sehr gut umgesetzt. Am schwächsten von allen Charakteren schnitt aber ausgerechnet der einzige ab, der echt war: Mowgli. Der Junge wirkte die ganze Zeit auf mich, als wäre er nicht wirklich Teil dieser Welt. Und das stimmt ja auch... kann man es einem kleinen Kind verübeln, wenn es nicht perfekt damit umgehen kann, dass sämtliche anderen Darsteller unsichtbare Tiere sind? Vielleicht wird ja "Der König der Löwen" besser, wenn komplett auf Menschen verzichtet wird.

Was "The Jungle Book" tatsächlich zu bieten hat, sind schöne Bilder. Der Dschungel sieht beeindruckend aus und auch die meisten Tiere überzeugen. Allerdings war mir das alles fast eine Spur zu perfekt... zu glatt, ohne eigenen Stil, ohne kreative Ideen. Ich hoffe sehr, dass sich bei "Der König der Löwen" getraut wird, wie in der Zeichentrickvorlage auch mal etwas über die Stränge zu schlagen. Immerhin befinden wir uns eben NICHT in einem Realfilm, sondern nach wie vor in einem Animationsfilm mit sprechenden Tieren. Ich verstehe außerdem nicht, was für ein Problem "The Jungle Book" mit den Liedern hat. Es dauert ewig, bis mal eines wirklich gesungen wird, und dann wirkt es geradezu verschämt, so als hätte man vermeiden wollen, den Musical Stempel aufgedrückt zu bekommen. Dann lasst sie lieber ganz weg, aber so wirkte es wirklich seltsam.

Insgesamt hatte ich sehr oft das Gefühl, das der Film sich nicht zwischen "Disneykitsch" und ernsthaftem Abenteuerfilm entscheiden konnte. Dabei wäre beides okay gewesen, nur von dieser Mischung war ich am Ende nicht wirklich begeistert. Knapp überdurchschnittlich.