The Lesson ★★

Nicht für die Schule, sondern für das Foltern lernen wir...

Die erste halbe Stunde liefert THE LESSON eine gemächlich inszenierte Studie über britische Problem-Teenies ab. Sie benehmen sich unsagbar assozial, randalieren, klauen und haben nicht einmal vor ihren Lehrern den geringsten Respekt. Aber wir sehen zumindest bei einem von ihnen auch, wie es ihm zuhause ergeht. Nach dem Tod seiner Mutter lebt er bei seinem älteren Bruder, der ihn gerne lieber heute als morgen loswerden würde. Man beginnt zumindeset ansatzweise zu verstehen, dass diese Kinder nicht von Natur aus so verroht sind, sondern ihr Umfeld eine wichtige Rolle spielt, in dem sie wenig Positives erfahren.

Schnitt. Plötzlich finden sich zwei der respektlosen Jungs entführt und an Schultische gefesselt in der Gewalt eines Mannes wieder, der ihnen eine Lektion erteilen will. Auch bei ihm stellt man sich die Frage, ob er von Natur aus ein Sadist ist oder ob ihn die Jugendlichen durch ihre jahrelangen Provokationen zu diesem Schritt getrieben haben. Konnte man THE LESSON zu Beginn noch als langatmige Sozialstudie abtun, macht der Film nun eine 180 Grad Drehung zu brutalstem Torture Porn. Wer auf eine hohe Splatterquote aus ist, kommt auf jeden Fall auf seine Kosten, denn hier wird fleißig in Großaufnahme durchbohrt und geblutet.

Noch fließiger wird geredet. Der Entführer hat eine Schulstunde vorbereitet, in der er seinen unfreiwilligen Schülern wichtige Grundlagen der Philosophie und Literaturgeschichte einhämmern möchte. Wortwörtlich. Dabei geht es natürlich nicht um X-beliebige Themen, sondern um das, was ihn so sehr beschäftigt, dass er dafür bereit ist, über Leichen zu gehen: Erziehung.

So weit so gut, allerdings können die amibitionierten Monologe nicht darüber hinwegtäuschen, dass in dem Film ziemlich wenig Handlung steckt. Viele Szenen sind überflüssig in die Länge gestreckt worden, so als hätte man eigentlich nur Stoff für einen Kurzfilm gehabt. Als solcher hätte THE LESSON denke ich besser funktioniert, denn die Handlung gefiel mir. Selbst die Foltermethoden variieren aber so wenig (im Grunde sogar gar nicht), dass sie mich trotz ihrer Härte schon bald langweilten. Das Finale reißt dann noch mal ein bisschen was raus, aber dieses Tempo hätte ich mir auch für den Rest des Films gewünscht. So bleibt er für mich leider trotz gelungenem Konzept nur unterdurchschnittlich.

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