The Movies ★★★½

Unterteilt nach Jahrzehnten führt einen diese Mammut-Dokumentation durch die Geschichte des Films. Des Tonfilms. Des Hollywood-Tonfilms. Aber auch nur so lange Hollywood, bis man dann doch ein paar Filme aus dem Rest der Welt erwähnt, weil Hollywood sich diese Franchises (James Bond, Godzilla) einverleibt hat. Ansonsten werden Inspirationen von Außerhalb gerne ausgespart.

Ja, ich bin ein bisschen zwiegespalten, was die Filmauswahl angeht. Aber da es eine solche MASSE an erwähnenswerten Filmen gibt, kann selbst ein Projekt diesen Umfangs selbstverständlich nur einen Teil davon abdecken. Hier konzentriert man sich nun mal auf die Sicht Hollywoods, bei der man leicht den Eindruck gewinnen könnte, dass man sich in einer Blase befindet. Aber das ist okay. Das Ganze ist erstklassig produziert und es macht Spaß, sich auf Zeitreise zu begeben. Den einen oder anderen Film, den man bisher noch nicht gesehen hat, hat man danach wahrscheinlich auf der Watchlist. Ergänzt werden die Filmausschnitte durch kurze Einspieler bekannter Filmschaffender und Filmkritiker, die grundsätzlich begeistert sind, und diese Begeisterung gut übertragen. Es macht Spaß, Filme zu sehen, hurra!

Schade fand ich, wie stiefmütterlich das Horror-Genre ab den 80ern behandelt wurde. Da gab es doch mehr als The Sixth Sense und Get Out. Der Slasher-Boom der 80er, der Erfolg von Scream in den 90ern, Saw oder die Blumhouse Reihen der 2000er... moderne Klassiker wie Evil Dead werden nicht erwähnt und der Einfluss von Blair Witch Project auf den Found Footage Film auch nicht. Wenn einzelne Filme fehlen, ist das nicht weiter verwunderlich, aber dass ein komplettes Genre dermaßen beiseite gedrängt wird, hat mich doch gewundert. Damit Horror in dieser Reihe erwähnt wird, muss er wohl nicht nur ein Kritikerliebling, sondern mindestens für einen Oscar nominiert gewesen sein.

Allgemein haben wir es hier mit einer Hochglanzproduktion zu tun, die Schmuddeliges meidet und Probleme auf eine etwas fragwürdige Art angeht. Sexismus und Rassismus etwa. Während man überwiegend bekannte und erfolgreiche Titel vorstellt, fällt auf, dass Frauen und PoC eine Sonderrolle bekommen. Diese werden ganz besonders hervorgehoben, selbst wenn sie vergleichsweise wenig Erfolg hatten. Zuerst fand ich das sympathisch, weil man ihnen endlich den Respekt zollt, der ihnen damals verwehrt wurde... je mehr ich darüber nachdenke, desto kritischer sehe ich es aber. Die dicke Zuckergussschicht lässt es nämlich so wirken, als ob diese "Außenseiter" in Hollywood schon immer dazu gehört haben. Sie waren zwar immer da, aber dieses Dazugehören wurde ihnen jahrzehntelang so schwer gemacht, dass ihre Filme eine Ausnahmeerscheinung waren. Die Geschichte im Nachhinein kitten zu wollen ist schwierig. Hier ist es meiner Meinung nach nur teilweise gelungen.

Man rattert eine gigantische Menge an Filmen durch, so dass gezwungenermaßen eine tiefer gehende Auseinandersetzung fehlt. Im Grunde ist THE MOVIES vom Anspruch her ein hochwertig produziertes YouTube "Top 100" Video. Ich habe die Reihe gerne gesehen und würde sie bedenkenlos weiterempfehlen. Neue Einblicke bietet sie Filminteressierten aber eher nicht, sondern dafür sollte man sich dann Dokumentationen suchen, die sich auf einen kleineren Bereich konzentrieren.

Gibt's noch eine Weile in der ARD Mediathek. :)