Titanic ★★★½

Teil meiner Autumn Rewatch Challenge.

TITANIC war einer der ersten ganz großen Film Hypes, die ich mitbekam, als ich mich für die Welt des Kinos außerhalb von Disneyzeichentrick und Familienkomödien zu interessieren begann. Über 3 Stunden lang! Der erfolgreichste Film aller Zeiten! Einer der teuersten Filme aller Zeiten! 11 Oscars! Spektakuläre Effekte! Und was war der Leo süüüß!

Während ich zuerst noch jeden Artikel in der Cinema und anderen Zeitschriften verschlang, verspürte ich bald eine zunehmende Abneigung, was wahrscheinlich in erster Linie eine Abwehrreaktion auf die allgegenwärtige Vergötterung von Leonardo Di Caprio war. Ich war damals 15, und in dem Alter entkommt man dem in der Schule und bei Freunden nicht. Ich habe wirklich lange gebraucht, bis ich ihn nach den ganzen Bravo Postern als Schauspieler wieder ernst nehmen konnte. Und ich konnte mit der Romanze in TITANIC generell nicht viel anfangen, weil ich sie furchtbar kitschig fand. Dabei mochte ich, wie die Katastrophe inszeniert wurde, und wie detailverliebt das Schiff nachgebaut worden war.

Bei meiner ersten Neusichtung nach mindestens 18 Jahren musste ich feststellen, dass nicht nur die Romanze kitschig war. Viele Dialoge wirken erschreckend platt... insbesondere bei der Rahmenhandlung, die ich eigentlich für eine gelungene Idee hielt. Aber entweder treten die Charaktere wie Comicfiguren auf (haha, der dicke Trampel flucht dauernd vor der alten Dame) oder es werden stumpf Fakten runtergerasselt (so viele Jahre, so viele Meter, so viel bla).

Glücklicherweise sind die Rückblenden, die ja den Hauptteil des Films ausmachen, besser gealtert. Die Effekte können sich nach wie vor sehen lassen, die Schauspieler überzeugen und die Dialoge sind zwar nicht gerade oscarreif (fürs Drehbuch gab es wirklich keinen!), aber sie nerven die meiste Zeit nicht. Nur manchmal... Und da wären wir wieder beim Romantikkitsch. Die erste Hälfte des Films hat ein paar wirklich übelst schnulzige Szenen zu bieten. Aber wenn man die überstanden hat, wird es dafür richtig gut. Die schiere Größe kommt perfekt zur Geltung und man fühlt sich mittendrin. TITANIC funktioniert als historischer Katastrophenfilm hervorragend, und dafür drücke ich ein Auge beim Rest zu.