Under the Shadow ★★★★

Wenn man rein nach dem Gruselfaktor geht, hätte UNDER THE SHADOW meine Bewertung nicht ganz verdient. Er lässt sich sehr viel Zeit mit dem Aufbau und bedient sich leider Jump Scares und der unsäglichen "Huch, es war nur ein Alptraum!" Szene. Aber diese Patzer verzeihe ich ihm, denn er hat neben seiner Geistergeschichte noch etwas viel interessanteres zu bieten: Sein Setting.

Dass er während des Krieges im Iran der 80er Jahre spielt, macht ihn zu etwas besonderem. Und damit meine ich nicht bloß den Exotenfaktor, den ein iranischer Film automatisch bei mir hat. Die Bedrohung von Außen durch die irakischen Bomben und die Repressalien des eigenen Staates lassen die Situation, in der sich Shideh und ihre kleine Tochter befinden, doppelt bedrohlich wirken. Während sie in ihren eigenen vier Wänden ein freies und nach unseren Standards "normales" Leben führen kann, muss sie sich draußen verschleiern und darf nicht mehr studieren. Eine panische Flucht aus der Wohnung nach einer Spukattacke, die in jedem anderen Geisterfilm ohne Konsequenzen geblieben wäre, kann sie in ernsthafte Probleme bringen. Und dann noch die ständigen Luftangriffe... Nein, auch ohne die Geister wäre die Situation schon beängstigend. Mit Geistern wird sie zu einer besonderen Herausforderung.

Gruselfreunde kommen aber trotz der anfangs erwähnten Patzer auch auf ihre Kosten. Es gibt einige wirklich gelungene Szenen, der Spannungsaufbau stimmt und die sowieso schon angespannte Atmosphäre trägt ihr übriges bei. Man sollte halt nur nicht ZU viel erwarten.

Ich denke, gerade wenn man den Iran hauptsächlich aus Nachrichtensendungen kennt, sollte man diesem Film eine Chance geben. Denn er funktioniert nicht nur als Geisterfilm, sondern bringt einem aus einem angenehm alltäglichen Blickwinkel auch ein Land näher, von dem man in Filmen ansonsten normalerweise nicht viel mitbekommt. Dabei braucht er sich vor Hollywoodproduktionen nicht zu verstecken.

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