Under the Silver Lake ★★★½

Schon die inoffizielle Fortsetzung zu READY PLAYER ONE gesehen?

Der Protagonist ist ein nerdiger Typ ohne wirklichen Job, dessen Lieblingsbeschäftigung es ist, geheime Codes in popkulturellen Erzeugnissen ausfindig zu machen. Daraus - und weil er sich in ein ihm kaum bekanntes Mädel verknallt hat, bloß weil sie heiß aussieht - entwickelt sich eine Schnitzeljagd durch die Oasis, ähm, durch die bunte Partywelt von Los Angeles. In deren Verlauf lernt er, die berühmtesten Videospiele, Filme, Songs und seine eigene Umgebung, mit anderen Augen zu sehen, weil sich in ihnen geheime Botschaften verbergen. Aber nur die absolute Elite ist dafür bestimmt, sie zu entschlüsseln! Und es gibt Menschen, die offenbar über Leichen gehen, damit er es nicht schafft.

Kommt einem sehr bekannt vor. Aber UNDER THE SILVER LAKE präsentiert uns mit Hollywood ein so eigenständiges Setting, dass man die Parallelen schnell vergisst. Außerdem mochte ich, wie mit Verschwörungstheorien gespielt wird. In gewissen Maßen ist UNDER THE SILVER LAKE eine Parodie darauf, wie bereitwillig Menschen selbst auf absurde Zusammenhänge anspringen. Besonders deutlich wird das, wenn eine geheime Botschaft in einem Musikstück auf eine Weise entschlüsselt wird, auf die nun wirklich niemand kommen würde.

Das ist ein Punkt, über den ich bei UNDER THE SILVER LAKE leider mehrmals gestolpert bin... Es wäre so schön gewesen, wenn er seine Handlung nicht bloß durch pure Zufälle vorantreiben würde. Aber damit muss man sich abfinden können. Eigentlich stolpert Sam nur von einer absurden Szene in die nächste - mal weil er einem Tier folgt, mal weil einem weiblichen Po.

Apropos Po: Das Frauenbild in diesem Film ist das mit Abstand altbackendste, das mir seit langem untergekommen ist. Als hätte ein pubertierender Junge sich sämtliche weiblichen Charaktere ausdenken sollen. Es ergibt aber Sinn, dass sie zu reinen Sexobjekten reduziert werden, deren Brüste beim Sex (selbstredend von hinten) in die Kamera schlackern, die ansonsten lachhaft sexy Outfits tragen und die sofort mit jedem ins Bett hüpfen. Das lässt sich in diesem Ausmaß nicht bloß mit "ist halt L.A." erklären, sondern was UNDER THE SILVER LAKE parodiert, ist das übelste Klischee vom beziehungsunfähigen Nerd, der sich mit Comicheften und Playboy-Fantasien durch den Tag retten, und insgeheim davon träumen, als einziger "den Durchblick" zu haben und zu Größerem bestimmt zu sein. Sam mag auf den ersten Blick der große Held sein, denn er behält mit seinen Verschwörungstheorien Recht, kriegt jede rum und wirkt (abgesehen von seinem schmuddeligen Verhalten Frauen gegenüber) sympathisch. Ihn auf seiner Reise zu begleiten macht Spaß. Aber die extrem auf die Spitze getriebene Oberflächlichkeit dieser Welt, in der er gefangen bleibt, hinterlässt einen traurigen Beigeschmack. Und dass das alles nicht nur Positiv erscheint, ist eindeutig so gewollt. Auch wenn ich schon Meinungen gelesen habe, die nur das Oberflächliche abgefeiert haben (was ich ein wenig gruselig finde).

Das Ende von UNDER THE SILVER LAKE ließ mich ein wenig ratlos zurück. Und nicht wegen den Rätseln, die sich ja größtenteils aufklären. Sondern weil ich finde, dass der Film zwar eine hervorragende Parodie auf das übertrieben hippe Partyleben (Schach Jazz!), oberflächliche Beziehungen und die Offenheit für Verschwörungstheorien sein könnte, dass er das alles aber gleichzeitig zu sehr selber glorifiziert. Er schwankt unsicher dazwischen, eine Liebeserklärung an L.A. und an Charaktere wie Sam zu sein, und der Kritik an ihnen. Ja was denn nun? Fast habe ich das Gefühl, der Regisseur wollte nicht nur eine spannende Schnitzeljagd mit Referenzen an Hollywood abliefern, sondern dabei auch noch kritisch sein - aber bloß niemandem auf die Füße treten! Ein bisschen zu viel gewollt, was bei einem so vollgepackten Film aber auch leicht passieren kann. Und ich hatte mir außerdem etwas mehr von der Auflösung erhofft.

Mehr Sterne sind dieshalb für mich nicht drin, was ich nach meinen durch IT FOLLOWS geschürten hohen Erwartungen ein bisschen schade finde. Wie gesagt, ich hatte Spaß, und hier gilt in gewisser Weise: Der Weg ist das Ziel. Aber wirklich rund geworden ist UNDER THE SILVER LAKE meiner Meinung nach nicht.

6,5/10

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