We Are the Flesh

Arthouse Porn also. Ich war mir nicht sicher, was mich erwarten würde, aber es lässt sich sehr leicht mit zwei Worten zusammenfassen.

Mich wundert nicht, dass die Schnittmenge von FFF Zuschauern und solchen, die "We are the Flesh" gut finden, eher klein ausfällt. So kristallisiert sich dieser Film gerade als die große Gurke 2016 heraus. Verdient? Oder sind wir einfach nicht offen genug für Kunst?

Leicht zugänglich ist dieser Film jedenfalls nicht. Es gibt zwar eine Art durchgängige Handlung im Hintergrund, aber das meiste wirkt, als hätte der Regisseur einfach nur Szenen aneinandergereiht, die verschiedene Themenbereiche abdecken. Einige davon sind einfach nur Tabus, die gebrochen werden... Es geht um Religion... Dann kommt eine Geburtsszene... Die symbolische Bildsprache wirkte dabei ziemlich plakativ auf mich, und die Zusammenstellung der Themen leider viel zu beliebig. Das ist für mich wohl auch das Hauptproblem an dem Film: Er will so viel sagen und nichts davon konnte bei mir Interesse oder Emotionen wecken.

Kontrovers kann man das Gezeigte vielleicht finden, wenn man Geschlechtsteile in Großaufnahme kontrovers findet. Aber ansonsten... Da ich nicht den geringsten Bezug zu den Charakteren aufbauen konnte, haben mich sowohl Tabubrüche als auch Gewaltausbrüche völlig kalt gelassen. Ich habe dem ganzen zugesehen wie einem Marionettentheater, und diese Distanz hat der Film in keiner Sekunde geschafft zu durchbrechen.

Von daher würde ich ganz klar sagen: Ziel verfehlt. Wenn man einen Film zu 90 % darauf aufbaut, kontroverse Handlungen aneinanderzureihen, sollte man zumindest dafür sorgen können, dass er beim Zuschauer Emotionen hervorruft.

Pluspunkte gibt es für das Ende und ein paar nett gefilmte Szenen, aber das war es leider schon von mir. Wie gesagt ließ mich das Gezeigte völlig kalt, und optisch sieht das Ganze die meiste Zeit aus, als wäre es mal eben schnell in einem leerstehenden Haus runtergedreht worden. Auf die Wärmebildkamera und das Gesinge möchte ich gar nicht erst näher eingehen. Dahinter steckt sicher eine Vision, aber es wirkte einfach nur albern...

Ich kann mir vorstellen, dass der Film wegen seines künstlerischen Ansatzes irgendwo Fans finden wird, denn für jede Form von Kunst gilt: Irgendjemanden spricht genau das an. Aber ich habe selten etwas nervtötenderes auf dem FFF erlebt.

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